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2020-11-27T18:20:03+01:0003. Februar 2010|Tags: , , , |

Warum der Deutsche Ring auf ein Führungskräftetraining der berührenden Art setzt.

 

Seit vier Jahren können Führungskräfte des Deutschen Ring einen Seitenwechsel absolvieren. Sie verbringen eine Woche in sozialen Einrichtungen mit Sterbenden, Drogenabhängigen, Suchtkranken, Gefangenen, Flüchtlingen, Obdachlosen oder Behinderten. Warum? Weil eine solche Erfahrung erdet. Und weil das Unternehmen Deutscher Ring Wert auf gute Führung legt.

 

Das war der Topmanager nicht gewohnt: Sein Tagesablauf war von morgens bis abends absolut fremdbestimmt, mit vorgegebenen Terminen und unumstößlichen Regeln. Hier zählten weder sein Know- how noch seine berufliche Position oder der unternehmerische Erfolg. In der Station seines einwöchigen Seitenwechsels – der Jugendstrafanstalt auf der kleinen Elbinsel Hahnöfersand – war Wolfgang Fauter einfach der Mensch Wolfgang Fauter und eben nicht wie in seinem „wahren Leben“ der Personalvorstand des Deutschen Ring in Hamburg.

 

Wolfgang Fauter absolvierte den Seitenwechsel im Jahr 2006, bevor er und seine Vorstandskollegen beschlossen, das Programm zu einem festen Bestandteil des Weiterbildungsangebotes für Führungskräfte zu machen. Er wollte erst einmal selbst erfahren, wie es ist, die Seiten zu wechseln. Seitdem haben rund 20 Manager der Unternehmen des Deutschen Ring die Chance ergriffen, einmal für eine Woche zu erfahren, wie diejenigen leben, die auf der anderen, der weniger glücklichen Seite des Lebens stehen.

 

Zu den Fakten: Seit neun Jahren bietet die Patriotische Gesellschaft von 1765 in Hamburg das bundesweite Programm Seitenwechsel (www.seitenwechsel.com) an. Und das läuft so: Auf Marktbörsen stellen sich soziale Institutionen, etwa aus den Bereichen Suchthilfe, Psychiatrie, Behindertenbetreuung oder Hospiz, den Führungskräften vor. Die Teilnehmer wählen die Institution aus, in der sie arbeiten möchten. Ein Transfertag, an dem sich die Seitenwechsler austauschen, schließt das Programm ab. Gegenüber der Zeitschrift absatzwirtschaft sagte Doris Tito, Programmleiterin von Seitenwechsel, unlängst: „Wir bieten mit unserem Programm kein Abenteuer und kreieren kein Event, sondern ermöglichen ein Persönlichkeitstraining, in dem die Manager nicht auf ihre Fach- oder Führungskompetenz, sondern auf ihre Kompetenzen als Mensch angewiesen sind.“ Dabei sollen alle profitieren: die sozialen Einrichtungen von der Öffentlichkeitsarbeit, die Patienten oder Hilfesuchenden vom Interesse der Führungskräfte und die Seitenwechsler von einer völlig neuen Perspektive. Der Seitenwechsel kostet pro Person 2.100 Euro, davon gehen 650 Euro als Aufwandsentschädigung an die soziale Institution.

 

Wolfgang Fauter, stellvertretender Vorstandsvorsitzender Deutscher Ring Krankenversicherung während seines Seitenwechsels in der JVA Hahnöfersand 2006

 

Investition in gute Führung

 

Es handelt sich um eine sehr gute, nachhaltige Investition, ist Wolfgang Fauter überzeugt: „Gerade für Führungskräfte ist es wichtig, eine gewisse Erdung zu haben. Unsere Gesellschaft besteht nicht allein aus dem komfortablen und einfachen Leben; wir laufen alle Gefahr, dass wir schnell mal vergessen, dass es uns sehr, sehr gut geht und dass das Leben auch noch eine andere Seite birgt.“ Alle Führungskräfte des Deutschen Ring, die den Seitenwechsel absolviert hätten, hätten sowohl persönlich als auch für die Führung von Mitarbeitern tiefe Eindrücke gewonnen. In dieser einen Woche erlebten die Absolventen Situationen, die sie nachdenklicher und sorgsamer machten. Wolfgang Fauter: „Wir legen großen Wert auf gute Führung in unserem Unternehmen und einen guten Umgang mit den Mitarbeitern. Ich bin überzeugt davon, dass der Seitenwechsel dazu beiträgt, bewusster mit Menschen umzugehen!“

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