Führen mit Profil

2020-11-27T18:15:32+01:0002. September 2010|Tags: , , , , , |

 

Erfolgreiche Manager sind erfolgreiche Marken. Sie kommunizieren klar und deutlich, wofür sie stehen, werden wahrgenommen, unterscheiden sich von der Konkurrenz und heben sich von der Masse ab. Das Markenimage, das wir von einem Menschen haben, schafft Orientierung und hilft, Entscheidungen zu treffen. Vor allem aber schaffen Marken Vertrauen. Bei einer Marke weiß man, was man hat. Und ihr Ruf eilt ihr voraus. Ein Mechanismus, der für Führungskräfte und Unternehmen gerade in der heutigen Zeit eine neue Bedeutung erlangt.

 

Vertrauen ist das Schlagwort der heutigen Zeit. Kein Wahlplakat, auf dem nicht um das Vertrauen der Wähler geworben wird, kein Wirtschaftskapitän, der nicht an das Vertrauen der Belegschaft appelliert. Auch für die Marke ist Vertrauen von größter Bedeutung, denn Vertrauen schafft Loyalität. Ein Vertrauensverlust hingegen, wie ihn einige Wirtschaftsakteure über die letzten Monate erlitten haben, ist fast irreparabel. Statt auf hehre Worte und Versprechen zu vertrauen, setzen wir deshalb lieber auf Leistung, Substanz und Nachhaltigkeit. „Mehr Sein als Schein“, lautet die Devise. Doch welche Leistung ist gefragt, und für wen wollen wir sie erbringen?

 

Wo es viele Möglichkeiten und zu viel Information gibt, ist Einfachheit Trumpf. Leistung muss einfach zu verstehen und zu konsumieren sein und schnell auf den Punkt kommen. Verpackung und Firlefanz waren gestern, heute muss unser Schaffen schlank sein, agil, schnörkellos – und maßgeschneidert. Damit rückt der Kunde wieder in den Vordergrund. Dabei ist „der Kunde“ weit mehr als nur die Person, die uns ein Produkt oder eine Leistung abkauft. Jede Person, mit der uns beruflich etwas verbindet, ist eine Kundin oder ein Kunde, dem wir unsere Person vermarkten. Aus Sicht des Self Branding geht der Kundenbegriff jedoch noch über diese Definition hinaus.

 

Personen, denen das Wohl der Gemeinschaft am Herzen liegt, die sich für gesellschaftliche Belange und andere Menschen einsetzen, ohne an ihren eigenen Profit zu denken, zeigen, dass sie sich für mehr einsetzen als bloß für ihre eigene Karriere – ein Image, das jedem gut ansteht. Von einer solchen Haltung profitieren auch die Unternehmen, denn jede Führungskraft „verkauft“ ihr Unternehmen tagtäglich nach innen und außen – bei Kunden, Lieferanten, Behörden, Mitarbeitenden und potenziellen Arbeitnehmern – und hinterlässt dort Eindrücke und Spuren.

 

Dennoch dürfen wir nie vergessen, dass die Leistungserbringung nur eine Seite der Medaille ist, während die andere das geschickte Marketing eben dieser Leistung ist. Doch wie gelingt Selbstmarketing in einer Zeit, in der Werte mehr zählen als der extravagante Auftritt und in der die Enttäuschung über das Verhalten anerkannter Ikonen aus dem Finanz- und Wirtschaftssektor noch allgegenwärtig ist?

 

Was Manager brauchen, ist eine „neue Bescheidenheit“, die zwar um die Bedeutung eines wirkungsvollen Auftritts weiß und diesen beherrscht, die aber gleichzeitig ein Warnsystem eingebaut hat, das vor übertriebener Eitelkeit und Exzessen schützt. Ein Warnsystem, das sich selbst und seinem Umfeld gegenüber achtsam ist, das Selbstreflexion besitzt und sich und seinem eigenen Verhalten gegenüber eine wohlwollend kritische Haltung einnimmt, das aufmerksam beobachtet und die Empfindungen des Gegenübers wahrnehmen kann – und diese ernst nimmt.

 

Text:

Dr. Petra Wüst ist eine der profiliertesten Expertinnen in Sachen Self Branding. Sie leitet das Beratungsunternehmen Wüst Consulting in Basel und ist international als Referentin, Trainerin und Beraterin tätig. Zudem unterrichtet die Ökonomin und Psychologin an mehreren Hochschulen. Ihr neuestes Buch „Profil macht Karriere“ ist im März 2010 bei Orell Füssle erschienen. www.wuest-consulting.ch

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