„Ich bin kein Sozialsäusler”

2020-11-27T17:16:05+01:0013. September 2017|Tags: , , , , |

Wolfgang Grupp ist nicht nur in seinem Auftreten eine stets gut gekleidete Erscheinung, sondern als Unternehmer auf jeden Fall auch eine Ausnahmeerscheinung: So garantiert der Inhaber von Trigema den Kindern seiner Mitarbeiter nach ihrem Schulabschluss einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Seit 1969 gibt es bei Trigema weder Kurzarbeit noch betriebsbedingte Kündigungen. Der 75-Jährige vertritt offensiv Werte wie Ehrlichkeit, Vertrauen und Gemeinsamkeit. Als Unternehmer setzt er strikt auf „Made in Germany“. In der Politik fordert der Jesuitenschüler und Diplomkaufmann mit Nachdruck, Unternehmer stärker in die Haftung zu nehmen. Und ganz nebenbei genießt der gebürtige Burladinger, der gemeinsam mit seiner Frau die gemeinnützige Wolfgang und Elisabeth Grupp Stiftung aus der Taufe gehoben hat, seinen Wohlstand inklusive Villa im Park, Butler und Helikopter.

Das Interview führte Vera Hermes

Was verbinden Sie mit dem Begriff „Elite”?

Wolfgang Grupp: Elite ist eine Gruppe von Menschen, die sich abhebt. Alle wollen doch zur Elite zählen, jeder möchte ins Rampenlicht. Zur Elite zu zählen kann man nicht erzwingen. Es ist eine Frage dessen, was man im Leben tut. Jeder würde gern dabei sein, aber die anderen entscheiden, ob man zur Elite zählt oder nicht, Sie können sich nicht in Elite einkaufen. Wenn sich einer dazuzählen will, hat er nicht nur Vorteile, sondern auch Pflichten. Er oder sie kann sich vieles nicht erlauben, was sich andere erlauben können. Mitglieder der Elite haben eine Vorbildfunktion und sind für andere sozusagen Vorzeigefiguren.

Was kann man sich denn nicht erlauben?

Dinge, die nicht in Ordnung sind – sich ganz einfach schlecht zu benehmen, betrunken durch die Gegend zu laufen oder schlampig gekleidet zu sein. Ich – und ich zähle mich nicht zur Elite – kann mir einiges nicht erlauben, weil ich verlange, dass Unternehmer mehr Verantwortung übernehmen müssen und Entscheidungsträger persönlich für ihr Handeln haften sollten. Wenn ich morgen 100 Leute entlassen würde, wäre das für mich negativ, denn die Leute würden die Achtung vor mir verlieren. Ich kann das, was ich von anderen verlange, nicht nicht tun.

Im Gegenzug werden Sie als Vorbild verehrt, genießen die sehr hohe Loyalität Ihrer Mitarbeiter und zählen ja durchaus zur Unternehmer-Elite des Landes. Ist das eine Last oder Lust?

Last würde ich nicht sagen. Ich bin, wenn Sie so wollen, ein Nobody. Ich beschäftige 1200 Mitarbeiter und mache das, was mein Großvater und mein Vater schon gemacht haben. Es gibt viel größere, wichtigere Unternehmen. Aber ich bin aufgefallen, weil ich in der Öffentlichkeit gesagt habe, dass Unternehmer verantwortungsbewusster handeln müssen.

… diese Forderung ist ja in der Tat aus dem Mund eines Unternehmers ungewöhnlich

Ich plädiere dafür, dass die Einkommenssteuer auf 60 Prozent heraufgesetzt wird, und jeder, der persönlich haftet, 50 Prozent Rabatt bekommt. Alle Entscheidungen wären vernünftiger, verantwortlicher und nicht so stark von Gier und Größenwahn geprägt.

Wir brauchen mehr Verantwortung. Ich kann ja auch nicht ins Casino gehen und solange ich gewinne, alles einstreichen, und sobald ich verliere, den Steuerzahler haftbar machen. Wir brauchen die Haftung zurück. Dann wäre auch ein Donald Trump kein Milliardär mehr.

Und übrigens: Wir haben keine Neidgesellschaft. Ich habe noch nie das Gefühl gehabt, dass mir jemand etwas missgönnt, wohl weil ich für alles geradestehe, was ich tue. Wir sind eine Gerechtigkeitsgesellschaft.

Könnten Sie nicht eigentlich viel mehr Geld verdienen, wenn Sie im Ausland statt in Burladingen produzieren würden?

Ich bin kein Sozialsäusler. Ich bin ein Egoist. Ich will Geld verdienen und mir soll es gut gehen. Als ich angefangen habe, habe ich schnell gemerkt, dass ich korrekt sein muss, denn dann ist die Zusammenarbeit leichter. Wenn ich durch eine Produktion im Ausland mehr Geld verdienen würde, dann wäre ich allein für das Wohl der Firma verpflichtet, das zu tun. Aber sagen Sie mir einen, bei dem das funktioniert hat. Bekannte Marken wie Schiesser oder Jockey sind pleitegegangen, nachdem sie die Produktion verlagert hatten.

Die Eliten scheinen an Ansehen einzubüßen. Sollte das tatsächlich eine nachhaltige Entwicklung sein: Wie beurteilen Sie diesen Ansehensverlust und welche gesellschaftliche Konsequenzen hätte er?

Das hätte starke Konsequenzen. Wir brauchen Vorbilder. Politikern und Unternehmern muss man vertrauen können, sie müssen sich korrekt verhalten. Das Volk sehnt sich nach Vorbildern, schauen Sie sich allein die Königshäuser an und wie sehr sie von vielen Menschen bewundert werden. Man sucht und will Vorbilder, und wenn sich Vorbilder nicht so verhalten wie erwartet, dann ist die Gemeinschaft enttäuscht. In dem Moment, in dem die Führung fehlt, bricht die Gemeinschaft auseinander und Chaos aus.

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