Jetzt regieren die Küken!

2021-10-06T20:01:53+02:0014. Mai 2021|Tags: , , , |
Gordelik vernetzt junge Chefs wütende Mitarbeiter

Vom Studium direkt in die Chefetage – kann das klappen?

Irgendwo zwischen Ende Vierzig und Anfang fünfzig liegt das durchschnittliche Alter von Führungskräften in Deutschland. Gar nicht mal so jung. Aber brauchen wir nicht gerade junge Entscheider und Führungskräfte, wenn Deutschlands Unternehmen agiler und innovativer werden sollen?

Umfragen zeigen leider immer noch recht große Ressentiments gegenüber jüngeren Chefs. Vor allem wenn man ältere Mitarbeiter fragt. Die Schlüsselerkenntnis einer dieser Befragungen klingt fast dramatisch: “Je größer der Altersunterschied zwischen Mitarbeitern und ihren jüngeren Vorgesetzten ist, desto mehr negative Gefühle wie Wut, Angst oder Abneigung verspüren sie diesen gegenüber” (impulse, https://bit.ly/3eimvxx). Eine Umfrage von Randstadt (https://bit.ly/3xL7lbU) bestätigt dieses Mindset: Zwei von drei Arbeitnehmern (66 Prozent) bevorzugen einen Vorgesetzten, der älter ist als sie selbst.

Aber ist älter immer besser, erfahrener, weiser? Wir haben uns mal in unserer Bubble umgehört und haben eine ganz andere Stimmung eingefangen. Thomas Neuschäfer ist 52 und Vice President Customer Service bei rubarb, sein Chef ist gerade einmal 27: „Als junger Gründer hat er gezielt nach Erfahrung gesucht, als er mich eingestellt hat. Nach nahezu einem Jahr der Zusammenarbeit kann ich sagen, dass meine Erwartungen übertroffen wurden. Ich kann schalten und walten (natürlich in enger Abstimmung) und meine Expertise wird geschätzt und gefragt. In dieser Konstellation ist ein Altersunterschied absolut irrelevant.”

Thomas’ Chef Jakob Scholz ist Co-Gründer von rubarb und hat offensichtlich keine Skrupel, auch ältere Mitarbeiter zu beschäftigen. Gar nicht selbstverständlich. Klickt man sich durch die Kununu-Profile vieler Unternehmen mit jungen Gründern, findet man in der Rubrik “Umgang mit Kollegen über 40” meist den Kommentar “Gibt es kaum”. Offenbar fühlt sich die junge Chefetage auch nicht ganz wohl mit Mitarbeitern die deutlich älter sind als sie selbst.

Aber Jakob ist keineswegs der jüngste Chef, der uns eingefallen ist. Das ist Milan Karan: Er ist Standortleiter der gevekom in Belgrad. Er hat mit nur 25 Jahren schon 120 Mitarbeiter unter sich. Wir haben ihn gefragt, vor welchen Herausforderungen er als so junger Chef steht: “Als ich damals zu gevekom gewechselt bin im Alter von 23 Jahren, wusste ich nicht immer zu 100% wie Mitarbeiterführung funktioniert. Im Laufe der Zeit habe ich dann aus den Erfahrungen, welche ich bis dato gemacht habe, gelernt. Das hat mein Selbstbewusstsein gestärkt und damit bin ich auch sicherer in meinem Auftreten geworden.”, sagt Milan.

“Meine wichtigste Verantwortung ist die für meine Mitarbeiter, denen ich mit Respekt und Wertschätzung begegne. Ich bin der Meinung, dass nicht das Alter entscheidend ist, für eine erfolgreiche Führung, sondern die Eigenschaften, die jemand mitbringt. Der Grund, allein durch eine lange Betriebszugehörigkeit Führungskraft zu werden, ist für mich der falsche Ansatz”.

Der Weg dahin war allerdings auch eine Herausforderung. “Ich hatte das Glück, mit jungen sowie älteren Führungskräften zu arbeiten und war schließlich auch selber ein Mitarbeiter. Ich habe auch durch Fehler und Schritte, die andere gemacht haben, einiges gelernt und wollte meinen eigenen Stil für die Führung aufbauen. Ich musste mich viel behaupten und den Respekt der älteren Kollegen gewinnen. Es ist normal, dass es Zweifel gibt besonders bei einem Neuanfang und desto wichtiger ist auch die richtige Herangehensweise.

Sinnvoll ist es Visionen und Vorstellungen entsprechend ans Team zu kommunizieren und letztendlich Entscheidungen zu treffen. Auch wenn falsche Entscheidungen getroffen werden, ist es besser als gar keine zu treffen. Daneben sind Menschenkenntnisse, Ehrlichkeit und Sinn für Humor wichtige Eigenschaften bei einer jungen Führungskraft.” sagt Milan.

Haben Sie Erfahrung mit jungen Führungskräften oder sind selbst eine? Worauf kommt es ihrer Meinung nach an, um von den Mitarbeitern angenommen zu werden?

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