Pro – Scheitern kultivieren

2020-11-29T22:26:41+01:0012. September 2018|Tags: , |

Also ich bin definitiv Befürworterin einer positiven Kultur des Scheiterns. Mein Lieblingsbild dazu: Kurz nach dem Start kommt die Cessna eines Geschäftsmannes ins Trudeln. Nur mit Not kann der Pilot landen und gesteht, er habe vergessen nachzutanken. Am Boden angekommen und auch am Boden zerstört, erwartet der Pilot seine sofortige Kündigung. Daraufhin sagt der Besitzer zu ihm: „Aber wo denken Sie hin? Gerade jetzt kündige ich Sie natürlich nicht! Das passiert Ihnen nie wieder und so fliegen Sie mich nach dieser Erfahrung noch sicherer.“

 

Doch sprechen wir es aus: Wir Deutschen sind von Natur aus ängstlich, übervorsichtig, übermoralisiert, vorurteilsaffin und Schablonendenker. Verpönt sind Fehler und Scheitern. Und wenn einer Fehler macht oder scheitert, dann muss er dafür abgestraft werden. Als Kind hören wir: „Du bist zu klein, das schaffst Du nicht.“ Als Jugendlicher lernen wir, wer mal einen Kaugummi-Automaten geknackt hat und erwischt wurde, bekommt keinen Ausbildungsplatz. Als Manager und Managerinnen erfahren wir: Wer zu oft den Arbeitgeber wechselt, macht den Eindruck eines Erfolglosen.

 

Und wo führt uns das hin? Genau! Wir bleiben brav in der Spur, um nicht zu den vermeintlich Gescheiterten zugehören. Wir unterlassen tunlichst Fehler, wo es nur geht. Mangelnde Fehlerkultur kostet unsere Wirtschaft ein Vermögen.

 

Anders ausgedrückt: Wären wir mutiger, weniger vorsichtig, Moral-befreiter, vorurteilsfreier und toleranter, würden wir sicherlich mehr Fehler machen und auch öfter scheitern. Doch daraus würden wir klüger, mutiger und stärker. Wir würden mehr ausprobieren, hätten mehr Ideen und mehr Erfolge. Das kommt den Unternehmen, der Wirtschaft und vor allem uns persönlich zugute. Das macht nämlich richtig viel Spaß!

Iris Gordelik

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